Agentic SCM
In meinen 30 Jahren in der Industrie habe ich viel gesehen. Aber eines ist heute paradoxer denn je: Während wir im C-Level über autonome Fabriken philosophieren, verbrennen wir im operativen Lieferanten-Abweichungsmanagement täglich massiv Kapital.
Warum? Weil wir hochqualifizierte Disponenten und Einkäufer als „Daten-Postboten“ missbrauchen.
Das Problem ist nicht der Mangel an Daten. Das Problem ist die Latenz der Entscheidung:
- Eine Mengenabweichung taucht im SAP auf.
- Der Disponent erkennt sie (vielleicht) 4 Stunden später.
- Er schreibt drei E-Mails und telefoniert, um den Impact auf die Kundenaufträge zu verstehen.
- Bis die Entscheidung „Express-Fracht oder Umterminierung“ fällt, ist der LKW längst weg.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Ein bloßer Chatbot hilft hier niemandem. Wir brauchen den „Motor“ direkt im Prozess – ich nenne es Agentic SCM.
Stellen wir uns vor: Ein KI-Agent erkennt die Abweichung im S/4HANA in Echtzeit, bewertet den finanziellen Impact gegen die Pönale im Kundenauftrag und schlägt dem Disponenten direkt die betriebswirtschaftlich optimale Lösung vor.
Das ist „Adult Supervision“ für KI. Keine Spielerei, sondern Reduktion von Working Capital und Sicherung der Liefertreue.
Wir müssen aufhören, KI als „Add-on“ zu betrachten. Sie ist das neue Betriebssystem für unsere ERP-Prozesse.
Und jetzt?
Wer im Mittelstand hat den Mut, den Prozess anzupacken statt nur die Oberfläche zu dekorieren?.
E-Mail: sven.vollmer@business-quotient.com
Sven Vollmer ist „The Industrial Translator“. Er baut Brücken zwischen der operativen Realität der Industrie (SAP, Supply Chain) und den Möglichkeiten generativer KI. Sein Fokus liegt auf wertschöpfenden Anwendungen abseits des Hypes.
Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel entstand mit redaktioneller Unterstützung von KI (Gemini/Claude). Die Ideen, fachliche Prüfung, die Auswahl der Use Cases und die Bewertung (‚Adult Supervision‘) oblagen zu 100% dem Autor.
LinkedIn: www.linkedin.com/in/sven-vollmer-bq
